Verzeihen können

Fortsetzung: Was wir von Kindern lernen können

Kinder sind so gut wie alles, aber eines sicher nicht: nachtragend. Ihre Dispute werden kurz und heftig ausgetragen und sie sagen offen und mit ehrlichen Worten, was sie meinen. Da wird heftig gestritten und geschmollt und dann ist auch wieder alles in Ordnung. Es wird sich versöhnt und wieder miteinander gespielt.

 

Allerdings wenn sich Erwachsene streiten, hat das oft noch tagelang Folgen. Manch einer packt sogar tagtäglich seine ihm widerfahrenden Verletzungen aus. Sie rufen sich immer wieder in Erinnerung, was der andere getan hat und dass sie ihm dies nicht verzeihen können.

 

Manchmal sind es kleine alltägliche Dinge, die wir nicht vergeben können. Womöglich hat ein guter Bekannter unseren Geburtstag vergessen. Der Mann zum Hochzeitstag keine Blumen geschenkt. Die Verwandtschaft sich nicht für unser Geschenk bedankt oder der Nachbar uns nicht eingeladen oder uns nicht gegrüßt.

 

Wir beschäftigen uns in Gedanken damit, der anderen Person Schuld zuzuweisen, ihm sein Verhalten nachzutragen, anstatt zu Hinterfragen, warum dies so passieren konnte und ich mich verletzt fühle.

 

Da jeder unserer Gedanken sich auch auf unseren Körper und unsere Gefühle auswirkt, bringen uns nachtragende Gedanken aus unserem inneren Gleichgewicht und können sogar Krankheiten verursachen.

 

Unser Körper kann beispielsweise mit Erschöpfung, Anspannung, Bluthochdruck, Kopf- oder Magenschmerzen, Schlafstörungen, mit einem Absinken der Abwehrkräfte reagieren. Unsere Konzentrations- und Leistungsfähigkeit lassen ebenfalls nach. Wir sind wütend, verbittert, gereizt, verletzt und enttäuscht, womöglich ziehen uns auch von anderen zurück.

 

Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, dann wissen wir, wir alle machen dann und wann Fehler – große und kleine - nur geben wir diese nicht unbedingt gern zu.

 

Um Vergebung zu bitten, bedeutet für den einen, die Kraft zu finden, sich den Fehler selbst einzugestehen, und gleichzeitig den Mut zu haben, diesen dem anderen gegenüber auch zuzugeben.

 

Verzeihen heißt für den anderen, die Fähigkeit zu besitzen, über die eigenen Interessen und Kränkungen oder Verletzungen durch den anderen hinwegzusehen.

 

Wie schwer es einem fallen kann, über seinen eigenen Schatten zu springen, haben wir alle schon erlebt. Gerade deshalb sollten wir genau überlegen, wie wichtig dieser Mensch – im Guten wie im Schlechten - für uns ist, bevor wir ihm vielleicht den Rücken kehren.

 

Wir können nur gewinnen, wenn wir verzeihen: Vertrauen, die Fähigkeiten, Wichtiges und Unwichtiges voneinander zu trennen, Kompromisse einzugehen und damit die eigenen Interessen zurück zustellen, Frieden mit der Situation zu schließen und gut für sich zu sorgen.

 

Wenn wir Verzeihen, dann machen wir das in erster Linie für uns.

 

Also: Einfach mal alle Fünfe gerade sein lassen und nicht alles auf die Goldwaage legen! Denn Kränkungen verzeihen und vergeben können ist wichtig für unser seelisches Wohlbefinden

 

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